{"id":1414,"date":"2019-04-14T21:33:59","date_gmt":"2019-04-14T19:33:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/?p=1414"},"modified":"2019-04-28T22:05:13","modified_gmt":"2019-04-28T20:05:13","slug":"wer-hat-angst-vor-virgina-woolf-im-schauspielhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/2019\/04\/14\/wer-hat-angst-vor-virgina-woolf-im-schauspielhaus\/","title":{"rendered":"Wer hat Angst vor Virgina Woolf im Schauspielhaus"},"content":{"rendered":"\n<p>Der US-amerikanische Autor Edward Albee (1928-2016) hat eine interessante Biografie. Er wurde als Zweij\u00e4hriger von Reed Adalbert Albee adoptiert. Die wohlhabende Familie Albee besa\u00df eine Kette von Vaudeville-Theatern und Kinos\u00e4len. Edward Albees Schulausbildung war von vielen Schulwechseln gepr\u00e4gt, da die Familie oft umzog. 1946 machte er seinen Abschluss. Danach folgte ein kurzes Studium am Trinity College, Hartfurt, Connecticut. Nach einem Jahr wurde er dort herausgeworfen. Seine Pflegeeltern, mit denen er sich nicht gut verstand, hatte er fr\u00fch verlassen. Albee nahm von ihnen allerdings das Interesse f\u00fcr das Theater mit, interessierte sich zudem f\u00fcr Musik und Literatur. Er versuchte sich sich selber als Autor, schrieb einen einen ersten langen Roman und eine Reihe von Kurzgeschichten. Seinen Lebensunterhalt verdienter Albee sich mit Gelegenheitsjobs. Eine Zeit lang arbeitete er in einem New Yorker Musiksender. 1952 hielt Edward Albee sich eine Zeit lang in Italien auf und begann dort einen weiteren Roman, den er jedoch nicht beendete. Erst mit 30 Jahren konzentrierte Albee sich ganz auf das St\u00fcckeschreiben, ermutigt durch Thorton Wilder. Die Urauff\u00fchrung seines ersten St\u00fcckes &#8222;Die Zoogeschichte&#8220; fand nicht in den USA, sondern 1958 am Schiller-Theater in West-Berlin statt. Nachdem das St\u00fcck hier Erfolg hatte, wurde es auch in den USA gespielt. Sein St\u00fcck &#8222;Wer hat Angst vor Virginia Woolf&#8220; wurde 1962 am Billy Rose Theater in New York am Broadway uraufgef\u00fchrt. 1966 wurde das St\u00fcck mit Richard Burton und Elisabeth Taylor verfilmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die im Titel genannte Autorin Virginia Woolf (1882-1941) war in den 1960er Jahren eine Ikone der Emanzipationsbewegung. Der ganze Vers erinnert an den Titel des Kinderliedes &#8222;Wer hat Angst vor dem b\u00f6sen Wolf&#8220;. Albee hat diesen Titel wohl eher zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt. Urspr\u00fcnglich wollte er das St\u00fcck \u201eExorzismus\u201c nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wer hat Angst vor Virgina Woolf&#8220; spielt am sp\u00e4ten Abend oder in einer Nacht, nach einer Party beim Dekan einer Universit\u00e4t, in der Wohnung von George und Martha. Martha ist die Tochter des Dekans, George an dieser Universit\u00e4t Dozent f\u00fcr Geschichte. Nachdem die beiden zuhause angekommen sind, \u00fcberrascht Martha ihren Mann damit, dass noch Besuch kommen wird, der junge Biologieprofessor Nick mit seiner Frau \u201eS\u00fc\u00dfe\u201c. George reagiert gereizt.Zwischen dem Paar entsteht schnell eine aggressive Stimmung. Alte,wohl bekannt Gr\u00e4ben werden aufgerissen. Das Streitgespr\u00e4ch entwickelt sich zum Ehekrieg, in den dann auch, unter st\u00e4ndiger Alkoholaufnahme der Protagonisten, das Besucherpaar mit einbezogen wird. Nach und nach werden die Lebensl\u00fcgen und Illusionen aller vier Protagonisten ans Tageslicht gezerrt und zwecks Dem\u00fctigung zur Schau gestellt. Im Laufe des Abends erw\u00e4hnen George und Martha ihren erwachsenen Sohn, der noch erwartet wird. Doch zum Schluss l\u00e4sst George den Sohn sterben, indem er berichtet, dass dieser gegen einen Baum gefahren und umgekommen ist. \u201eDu hast ihn geboren, ich lasse ihn sterben.\u201c Es wird klar, dass es den Sohn nie gegeben hat und hier die gr\u00f6\u00dfte Lebensl\u00fcge offenbart wird.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wer hat Angst vor Virginia Woolf&#8220; ist in Deutschland Schullekt\u00fcre im Englischunterricht und viele die einst damit konfrontiert wurden, sind des St\u00fcckes m\u00fcde. Zudem wird das Erscheinungsbild stark durch die Verfilmung mit Burton\/Taylor gepr\u00e4gt, die hier vielleicht auch ihren eigene Beziehungskrieg mitinszeniert haben und den destruktiven Aspekt betonen. Und nach fast 60 Jahren Auff\u00fchrungsgeschichte gilt das St\u00fcck manchen als etwas aus der Zeit gefallen. <\/p>\n\n\n\n<p>Devid Striesow als George, Maria Schrader als Martha, Matti Krause als Nick und Josefine Israel als S\u00fc\u00dfe beweisen in der Inszenierung von Karin Beier, dass dies nicht so ist. Auf einer fast kahlen B\u00fchne spielt Maria Schrader Albees Martha kraftvoll und mit gro\u00dfer k\u00f6rperlicher Pr\u00e4senz. Ihr Kontrapart Devid Striesow verleiht dem George eine gro\u00dfe Portion Witz. Striesow gestikuliert und spielt mit den Betonungen seiner S\u00e4tze, erzeugt \u00dcberraschungen und wendet die Figur dann wieder ins Diabolische. Die beiden Filmschauspieler stehen wegen ihrer Bekanntheit im Vordergrund der Auff\u00fchrung, die dank der Kunst aller Darsteller keinen Augenblick langweilig ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Der US-amerikanische Autor Edward Albee (1928-2016) hat eine interessante Biografie. Er wurde als Zweij\u00e4hriger von Reed Adalbert Albee adoptiert. 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