{"id":1434,"date":"2019-06-23T17:28:29","date_gmt":"2019-06-23T15:28:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/?p=1434"},"modified":"2019-06-24T18:43:48","modified_gmt":"2019-06-24T16:43:48","slug":"probleme-probleme-probleme-schauspielhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/2019\/06\/23\/probleme-probleme-probleme-schauspielhaus\/","title":{"rendered":"Probleme, Probleme, Probleme (Schauspielhaus)"},"content":{"rendered":"\n<p>Das j\u00fcngste Werk von Ren\u00e9 Pollesch &#8222;Probleme, Probleme, Probleme&#8220; l\u00e4dt dazu ein, sich einmal wieder mit dem Doppelspaltenexperiment zu befassen. F\u00fcnf Frauen, Schauspielerinnen habe einen Sack voller Probleme und lamentieren eine gute Stunde lang dar\u00fcber. Eine Handlung, im eigentlichen Sinne, gibt es bei Pollesch ja nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Zur Einstimmung wird vor dem St\u00fcck ein franz\u00f6sischer Chanson gespielt, Revueatmosp\u00e4re. Die B\u00fchne ist zweigeteilt, in &#8222;vor dem Vorhang&#8220; und &#8222;hinter dem Vorhang&#8220;. Der &#8222;Vorhang&#8220; ist auch eher eine Wand in Laubs\u00e4geoptik, mit vielen Gl\u00fchbirnen, erinnert an den Schminkraum eines Theater und ist schon Teil des B\u00fchnebildes. In der rechten und linken H\u00e4lfte gibt es zwei Torb\u00f6gen mit tats\u00e4chlichen Vorh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schauspielerinnen treten auf:&nbsp; Sachiko Hara und Bettina Stucky, die bei Pollesch-Auff\u00fchrungen in Hamburg immer dabei sind, Angela Richter, ebenfalls aus dem Ensemble des Schauspielhauses, Marie Rosa Tietjen, die in Z\u00fcrich schon \u00f6fter bei St\u00fccken von Ren\u00e9 Pollesch dabei war, und Sophie Rois, gut bekannt durch ihre vielen Kino-und TV-Rollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcnf Schauspielerinnen erscheinen praktisch gleichzeitig auf der B\u00fchne, kommen in zwei Gruppen durch die beiden Vorh\u00e4nge und sprechen auch den gleichen Text. Recht schnell wird ihnen klar, dass es sich hier um eine &#8222;Doppelvorstellung&#8220; handeln muss, wobei sich dar\u00fcber wundern, dass diese gleichzeitig stattfindet. Sonst ist es ja \u00fcblich, die anstrengenden Doppelvorstellungen nacheinander aufzuf\u00fchren, keinesfalls gleichzeitig. Hier gibt es aber offenbar zwei B\u00fchnen auf der B\u00fchne. Bald wird auch die Parallele zum Zweispaltenexperiment hergestellt und \u00fcber Werner Heisenberg und Niels Bohr res\u00fcmiert. <\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Der Doppelspaltenversuch wurde 1802 von Thomas Young erstmals mit Licht durchgef\u00fchrt. Zwei koh\u00e4rente Lichtwellen werden dabei&nbsp; parallel liegende Spalten geschickt. Durch Beugung entsteht eine Interferenz. Sp\u00e4ter wurde der Versuch auch mit Teilchen durchgef\u00fchrt und diente in der Quantenphysik dazu, den Wellen-Teilchen-Dualismus des Lichts zu demonstrieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine Teilchen verh\u00e4lt sich anders, so eine Erkenntnis aus der Quantenphysik, wenn es gemessen wird, und ein Schauspieler ist ja ebenfalls ein ganz anderer, je nachdem, ob er auf der B\u00fchne steht und angeschaut wird oder nicht. Stucky: &#8222;Gibt es diese Schauspielerin auch, wenn man sie nicht ansieht?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schauspielerinnen sprechen \u00fcber Quantenphysik, ihre Rollen in dieser merkw\u00fcrdigen Doppelauff\u00fchrung und denken fr\u00f6hlich plappernd dar\u00fcber nach, welches St\u00fcck hier \u00fcberhaupt gespielt werden soll. Der Vorhang wird&nbsp; gel\u00fcftet und es erscheint eine Kulisse, die zu Shakespeares Sommernachtstraum passen w\u00fcrde, ein Blumengarten. Die Kost\u00fcme passen dazu aber nicht dazu, auch nicht zueinander und werden sp\u00e4ter zudem gewechselt: Angelika Richter im T\u00fcllkleid, Marie Rosa Tietjen im Sheakespeare-Look, Sophie Rois im Harlekin-Kost\u00fcme, Sachiko Hara als Schneewittchen aus dem Walt-Disney-Film, Bettina Stucky als der J\u00e4ger aus Kurpfalz.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Schauspielerinnen befinden sich zeitweise hinter dem Vorhang, andere davor, und sie reden miteinander, in hohem Tempo und ohne Pausen. Sachiko Hara auch mal auf Japanisch. \u00dcber Theater, auch \u00fcber Beziehungen, \u00fcber Doppelvorstellungen und Doppelspaltexperimente und \u00fcber Ursache und Wirkung. Zeit, lange \u00fcber die Texte nachzudenken, gibt es nicht. Daf\u00fcr l\u00e4sst Pollesch gerne wiederholen und dreht und wendet den Inhalt. Bei geschlossenem Vorhang werden die Frauen &#8222;hinter dem Vorhang&#8220; \u00fcberlebensgro\u00df auf eine Leinwand &#8222;vor dem Vorhang&#8220; projiziert und Sophie Rois erl\u00e4utert ausf\u00fchrlich, was sie von dieser Technik h\u00e4lt, n\u00e4mlich gar nichts: &#8222;Videokacke!&#8220; Man spricht \u00fcber das, was man sieht, und was man nicht sieht und wie man es sieht und was die Zuschauer erst mit Hilfe der Kamera sehen. Die Diskussion \u00fcber \u00c4sthetik wird gleich im St\u00fcck gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischendurch gibt es laute Rockmusik. Sachiko Hara bietet eine starke Tanzeinlage zu Led Zeppelin und sp\u00e4ter f\u00fchlt man sich bei der Musik von Can mit Sachiko Haras Grimassen an ihren Landsmann Damon Suzuki, den S\u00e4nger von Can erinnert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt also, zusammengefasst, Probleme, und man fragt sich, was die Quantenphysik zu deren L\u00f6sung beitragen kann. Oder wie Sophie Rois auf der B\u00fchne bekennt: \u201eDas Theater und die Quantenphysik haben mein Leben gepr\u00e4gt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Das j\u00fcngste Werk von Ren\u00e9 Pollesch &#8222;Probleme, Probleme, Probleme&#8220; l\u00e4dt dazu ein, sich einmal wieder mit dem Doppelspaltenexperiment zu befassen. 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