{"id":1522,"date":"2019-09-30T21:07:07","date_gmt":"2019-09-30T19:07:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/?p=1522"},"modified":"2019-10-03T21:22:08","modified_gmt":"2019-10-03T19:22:08","slug":"ferenc-molnars-liliom-im-thalia-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/2019\/09\/30\/ferenc-molnars-liliom-im-thalia-theater\/","title":{"rendered":"Ferenc Moln\u00e1rs Liliom im Thalia Theater"},"content":{"rendered":"\n<p>Ferenc Moln\u00e1r (1878-1952), eigentlich Ferenc Neumann, stammte aus einer j\u00fcdischen Familie in Budapest. Sein Vater war ein erfolgreicher Arzt, k\u00fcmmerte sich aber wenig um seine Familie. Caf\u00e9s und Casinos waren ihm wichtiger. Schon als Sch\u00fcler begann Moln\u00e1r mit dem Schreiben und f\u00fchrte mit Freunden sogar einmal ein selbst verfasstes Theaterst\u00fcck auf. Nach dem Schulabschluss begann er als 17-J\u00e4hriger ein Jura-Studium, erst in Budapest, dann in Genf, fand aber schon bald mehr Interesse am Theater und am Schreiben.<br>Nach einem Aufenthalt in Paris kehrte er 1896 nach Budapest zur\u00fcck, gab sein Jura-Studium auf, nannte sich nun Ferenc Moln\u00e1r und bet\u00e4tigte sich als Journalist und Schriftsteller. 1901 erschien sein erster Roman. Sein St\u00fcck Liliom, 1909 in ungarischer Sprache erstmals aufgef\u00fchrt, fiel beim Publikum zun\u00e4chst durch. Mit der deutschen \u00dcbersetzung und Bearbeitung von Alfred Polgar, der das St\u00fcck vom Budapester Stadtw\u00e4ldchen in den Wiener Prater verlegte, erhielt \u201eLiliom\u201c eine zweite Chance und wurde zum Erfolgsst\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Liliom ist ein stadtbekannter Frauenheld, der als Ausrufer auf dem Jahrmarkt arbeitet. Mit der Besitzerin des Karussells, Frau Muskat, pflegt er nicht nur gesch\u00e4ftliche Beziehungen. Als Liliom einer jungen Besucherin, Julie Zeller, zu nahe kommt, entl\u00e4sst die eifers\u00fcchtige Frau Muskat ihren Angestellten und ersetzt ihn durch einen anderen. Liliom zieht mit seiner neuen Liebe Julie zusammen, verdient aber kein Geld mehr. Aus Frust zieht er mit Freunden um die Ecken. Wenn er mal zuhause ist, schl\u00e4gt er seine Frau. Doch Julie liebt Liliom und verzeiht ihm seine Eskapaden. Als Liliom erf\u00e4hrt, dass Julie schwanger ist, l\u00e4sst er sich von seinem Saufkumpan, dem Gauner Ficsur zu einem Raub\u00fcberfall \u00fcberreden, um mit dem Geld seine Familie zu versorgen und vielleicht sogar nach Amerika auszuwandern, wo &#8222;alles besser ist&#8220;. Julie erf\u00e4hrt von dem geplanten \u00dcberfall und zeigt Liliom bei der Polizei an. Der Raubmord an einem j\u00fcdischen Geldboten wird verhindert. Liliom bringt sich daraufhin um. 16 Jahre sp\u00e4ter, die Zeit hat er im Fegefeuer verbracht, kehrt Liliom noch einmal auf die Erde zur\u00fcck. Er beobachtet seine Familie, die ohne ihn leben muss. Seine Taten von damals bereut er jedoch nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Der ungarische Regisseur Korn\u00e9l Mundrucz\u00f3 hat Moln\u00e1rs Liliom in einer Koproduktion mit den Salzburger Festspielen f\u00fcr das Thalia-Theater inszeniert und das St\u00fcck ein wenig gegen den Strich geb\u00fcrstet. Sein Liliom, gespielt von Jan Pohl, ist kein eindimensionaler Prolet. Und seine Julie ist auch kein unerfahrenes Dienstm\u00e4dchen, das unbedarft geschw\u00e4ngert wurde. Das St\u00fcck beginnt mit einem Vorspiel vor dem noch geschlossenen Vorhang, hier ein Metalltor, anfangs \u201eSafe Place\u201c genannt, irgendwo in einer Zwischenwelt.&nbsp; Liliom ist schon gestorben und begehrt Einlass in den Himmel, soll daf\u00fcr aber zum wiederholten Mal komplizierte Formulare ausf\u00fcllen. Ein achtk\u00f6pfiges Geschworenengremium (angef\u00fchrt von Julian Greis) konfrontiert die in klassischen Rollenmustern denkende Theaterfigur Liliom mit den heutzutage \u00fcblichen politisch korrekten&nbsp; Erscheinungsformen und Auffassungen und fordert Umdenken und Reue. Lilioms Geschichte wird nun in R\u00fcckblicken erz\u00e4hlt. <\/p>\n\n\n\n<p>Korn\u00e9l Mundrucz\u00f3 der neben seinen Theaterarbeiten auch eine Reihe von Kurzfilmen schuf, hat tief in die Trickkiste der Regiekunst gegriffen. Nachdem der Vorhang gel\u00fcftet wurde, sehen die Zuschauer zwei Roboterarme, rechts und links auf der B\u00fchne. Maschinelle Schauspieler also, mit sehr pr\u00e4zisen Bewegungen. Die Maschinen ziehen zu Beginn des St\u00fcckes B\u00e4ume aus der Kulisse und bauen damit das Budapester Stadtw\u00e4ldchen auf, in dem Julie und Liliom ihre erste Liebesnacht erleben werden. Als es dann romantisch wird, zieht einer der Roboterarme auch den passenden Vollmond hervor und sorgt damit f\u00fcr einen komischen Moment. Zum Ende des St\u00fcckes sind es auch die Roboter, die schicksalhaft den Sarg f\u00fcr Liliom \u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"808\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Liliom-Poster-808x1024.jpg\" alt=\"Thalia Theater Liliom\" class=\"wp-image-1526\" srcset=\"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Liliom-Poster-808x1024.jpg 808w, http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Liliom-Poster-237x300.jpg 237w, http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Liliom-Poster-768x973.jpg 768w, http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Liliom-Poster.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 808px) 100vw, 808px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Der Mittelteil des St\u00fcckes wird zum gro\u00dfen Teil auf einer Leinwand erz\u00e4hlt (die von einem der Roboterarme gehalten wird). Julie und Liliom leben im Haus einer Verwandten von Liliom, der Fotografin Frau Hollunder (Sandra Flubacher). Julies Gespr\u00e4ch mit ihrer Freundin Marie (Yohanna Schwertfeger) \u00fcber ihr Zusammenleben mit Liliom wird live aus den R\u00e4umen eines kleinen Sperrholzhaus, das auf der B\u00fchne steht, auf die Leinwand \u00fcbertragen. Ebenso der laszive Versuch von Frau Muskat (Oda Thormeyer), ihren Geliebten Liliom zur\u00fcckzuholen. Theater und Kino vermischen sich. Eine starke Szene ist der Freudentanz, eine Art Wasserballet, von Liliom und dem Gauner Ficsur (Tilo Werner), in einem Planschbecken auf herbstlicher B\u00fchne. Die beiden M\u00e4nner feiern auf diese Weise ihren sch\u00f6nen Plan zum Raubmord und den kommenden Geldsegen. <br>Zwischen den Szenen muss Liliom sich drau\u00dfen vor der B\u00fchne vor dem Engelschor rechtfertigen und f\u00fcr seine unpassenden Taten Bu\u00dfe tun, zum Beispiel 100 mal den Satz \u201eIch bin Teil des repressiven Patriachats \u201c an die Wand schreiben. Auch am Ende des St\u00fcckes steht er wieder vor dem Engelschor und wird auf die Erde zur\u00fcckgeschickt. Seine Tochter Luise, gespielt von einer Schauspielerin mit Down-Syndrom, (alternierend Lisa Zoe Meier und Paula Karoline Stolze), n\u00e4hert sich dem f\u00fcr sie Fremden ohne Scheu und erz\u00e4hlt von ihrem angeblich in Amerika verstorbenen Vater. Die gew\u00fcnschte L\u00e4uterung von Liliom findet jedoch nicht statt.<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00f6rg Pohl als Liliom und Marie Sch\u00f6ne als Julie dr\u00fccken dem Spiel eindrucksvoll ihren Stempel auf. J\u00f6rg Pohl ist vielleicht etwas zu smart f\u00fcr den Proleten Liliom, verleihtihm aber einige Facetten verleiht. Marie Sch\u00f6ne schafft auf beeindruckende Weise den Spagat zwischen dem sexuell erwachenden und neugierigen jungen M\u00e4dchen und der lebenst\u00fcchtigen werdenden Mutter. Die Darsteller, auch die beiden Roboter, wurden vom dankbaren Publikum ausgiebig gefeiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Liliom \u2013 Trailer | Thalia Theater\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/pnDQLEyhueI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Liliom von Franz Moln\u00e1r<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Regie: Korn\u00e9l Mundrucz\u00f3<br>B\u00fchne: Monika Pormale<br>Kost\u00fcme: Sophie Klenk-Wulff<br>Licht: Felice Ross<br>Live-Kamera: Martin Prinoth<br>Choreografie: Yohan Stegli<br>Musik: Xenia Wiener, ChristinaBellingen, Soma Boronkay<br>Dramaturgie: Kata W\u00e9ber. <\/p>\n\n\n\n<p>Darsteller:<br>\nLiliom: J\u00f6rg Pohl<br>\nJulie: Maja Sch\u00f6ne<br>\nFrau Muskat: Oda Thormeyer<br>\nMarie: Yohanna Schwertfege<\/p>\n\n\n\n<p>Wolf Beifeld, Stadthauptmann: Julian Greis<br>\nFicsur: Tilo Werner<br>\nFrau Hollunder: Sandra Flubacher<br>\nLuis: Mila Zoe Meier, Paula Karolina Stolz<br>\nDerDrechsler, Chor der Engel: James Bleyer,<br>\nDer geschlagene Engel, Chor der Engel:&nbsp;\nJens Hoormann<br>\nChor der Engel: Kathrin Klein, Fran\u00e7ois Lallemand, Julia Nordholz, Aref\nWeikert, Joelle Westerfeld.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ferenc Moln\u00e1r (1878-1952), eigentlich Ferenc Neumann, stammte aus einer j\u00fcdischen Familie in Budapest. 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