{"id":1564,"date":"2019-12-01T18:00:00","date_gmt":"2019-12-01T17:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/?p=1564"},"modified":"2019-12-01T18:00:01","modified_gmt":"2019-12-01T17:00:01","slug":"die-nacht-der-von-neil-young-getoeteten-im-thalia-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.andreschulz.de\/wordpress\/2019\/12\/01\/die-nacht-der-von-neil-young-getoeteten-im-thalia-theater\/","title":{"rendered":"Die Nacht der von Neil Young Get\u00f6teten im Thalia Theater"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Hommage an den kanadischen Musiker Neil Young von Navid Kermani. <\/p>\n\n\n\n<p>Neil Young wurde 1945 in Toronto geboren. Mit f\u00fcnf Jahren erkrankte er an Kinderl\u00e4hmung. Seine linke K\u00f6rperh\u00e4lfte wurde in Mitleidenschaft gezogen und er hinkt leicht. In den 1960er Jahren erkrankte Neil Young zudem an Epilepsie und Diabetes. Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs Neil Young mit seiner Mutter in Winnipeg, Kanada, auf und begann Anfang der 1960er Jahre Musik zu machen. 1968 zog Neil Young nach Los Angeles und gr\u00fcndete die Band Crazy Horse. Au\u00dferdem spielte er mit Crosby, Stills, Nash and Young und trat mit der Gruppe 1970 beim legend\u00e4ren Festival in Woodstock auf. Nach einer R\u00fcckenoperation 1971 als Folge seiner Kinderl\u00e4hmung konnte Neil Young eine Zeit lang bei Konzerten nicht mehr lange stehen und wechselte deshalb von der E-Gitarre zur akustischen Gitarren und von der Rockmusik mehr zum Folk, wobei er sp\u00e4ter auch immer wieder auch zum Rock zur\u00fcckkehrte. In dieser Zeit schrieb Neil Young sein erfolgreichstes St\u00fcck &#8222;Heart of Gold&#8220;, das auf dem Album Harvest (1972) erschien. Das Album wurde im Laufe der Zeit \u00fcber 7 Mio. Mal verkauft und wird zu den 100 besten Rockalben der Geschichte gez\u00e4hlt. 1973 starben kurz nacheinander Neil Yougs Roadie Bruce Berry und Danny Whitten, Gitarrist bei Crazy Horse, infolge ihrer Heroinsucht. Whitten war von Neil Young 1972 endg\u00fcltig aus der Band geworfen worden, nachdem er seine Sucht nicht in den Griff bekommen hatte. Neil Young ver\u00f6ffentlichte unter dem Eindruck der Todesf\u00e4lle mehrere d\u00fcstere St\u00fccke und Alben. Ende der 1970 er Jahre ver\u00f6ffentlichte Neil Young das Album &#8222;Rust never Sleeps&#8220;, mit dem er an den Erfolg von &#8222;Harvest&#8220; ankn\u00fcpfte. In den fr\u00fchen 1980er Jahren begann Neil Young mit Synthesizern und Elektromusik zu experimentieren und verst\u00f6rte seine Anh\u00e4nger mit dem Album \u201eTrans\u201c. Sp\u00e4ter kehrte er zu Rythm und Blues zur\u00fcck und wechselte in der Folge auch weiterhin h\u00e4ufiger seinen Stil. Bis heute hat Neil Young 41 Studioalben aufgenommen. Die alternative Rockszene erkl\u00e4rte Neil Young zu ihrem Vorbild und ernannte ihn zum \u201eGodfather of Grunge\u201c. 1991 war Nirvana Vorgruppe bei Neil Youngs &#8222;Ragged Glory Tour&#8220;. 1994 nahm sich der Frontmann von Nirvana, Curt Cobain, das Leben und zitierte in seinem Abschiedsbrief eine Textzeile aus Neil Youngs Song: &#8222;My My, Hey Hey (Out of the Blue)&#8220;: &#8222;It&#8217;s better to burn out, than to fadeaway.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;My My, Hey Hey (Out Of The Blue)&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>My my, hey hey<br>Rock and roll is here to stay<br>It&#8217;s better to burn out<br>Than to fade away<br>My my, hey hey.<\/p>\n\n\n\n<p>Out of the blue<br>and into the black<br>They give you this,<br>but you pay for that<br>And once you&#8217;re gone,<br>you can never come back<br>When you&#8217;re out of the blue<br>and into the black.<\/p>\n\n\n\n<p>The king is gone<br>but he&#8217;s not forgotten<br>This is the story<br>of a Johnny Rotten<br>It&#8217;s better to burn out<br>than it is to rust<br>The king is gone<br>but he&#8217;s not forgotten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hey hey, my my<br>Rock and roll can never die<br>There&#8217;s more to the picture<br>Than meets the eye.<br>Hey hey, my my.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Neil Young - Hey Hey, My My (Live at Farm Aid 1985)\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/LQ123T3zD2k?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Navid Kermani wurde 1967 als Sohn iranischer Eltern in Siegen geboren. Er studierte Orientalistik und promovierte in Bonn. W\u00e4hrend seiner Studienzeit hatte Kermani schon nebenberuflich als Journalist bei verschiedenen Zeitungen gearbeitet. Sp\u00e4ter berichtete er als Reporter f\u00fcr verschiedene Medien aus Krisengebieten. <\/p>\n\n\n\n<p>Kermanis Buch \u201eDas Buch der von Neil Young Get\u00f6teten\u201c erschien 2002 und war seine dritte Buchver\u00f6ffentlichung. Navid Kermani ist ein eingefleischter Neil Young-Fan und er und legt in dieser ungew\u00f6hnlichen Musikerbiografie seine philosophische Sicht auf Neil Young, auf dessen Musik, aber auch auf die Welt und ihre Angelegenheiten dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch beginnt mit den Dreimonatskoliken von Kermanis neugeborener Tochter. Um seine Tochter zu beruhigen, l\u00e4sst der Vater Neil Youngs Musik laufen. So beginnt auch die Theater-Adaption \u201eDie Nacht der von Neil Young Get\u00f6teten\u201c in der Regie von Sebastian N\u00fcbeling.<\/p>\n\n\n\n<p>Den ersten Auftritt hat die Kulisse, ein dichter Wald, mit vielen hohen St\u00e4mmen, einige entlaubt. In der Mitte befindet sich eine Lichtung, beleuchtet von einer hohen Stra\u00dfenlaterne. Wechselndes Licht durchflutet im Laufe der Auff\u00fchrung den Wald oder taucht ihn ins Halbdunkel. Bisweilen sorgt Nebel f\u00fcr Zwielicht. Der Wald dreht sich am Anfang und auch sp\u00e4ter noch geruhsam um sich selbst und gibt dabei nach und nach den Blick frei, auf Requisiten und einige Tiere des amerikanischen Waldes und auf die Personen, die im Laufe des Abends alle Neil Young sein werden, oder seine Facetten, oder seine Fans, oder seine Mitmusiker.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Die Nacht der von Neil Young Get\u00f6teten \u2013 Trailer | Thalia Theater\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/1wqllNP5tCA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Die sieben Darsteller dieses Abends liefern eine gro\u00dfartige Neil Young Perfomance und laufen immer dann zu H\u00f6chstform auf, wenn Musik gemacht wird, manchmal still und besinnlich, manchmal als h\u00f6llisch-lauter Gitarrenteppich. Vier Frauen und drei M\u00e4nner sind ein St\u00fcck von Neil Young, oder Neil Young-Fans, die \u00fcber ihr Idol reden. Carolina Bigge ist der Ober-Neil Young. Sie hat einst in der Girl-Group AK4711 am Schlagzeuger getrommelt, Schlagzeug und Jazz studiert und schon an einigen Thalia-Produktionen musikalisch mitgewirkt. Zusammen mit Lars Witterhagen hat sie die musikalische Leitung \u00fcbernommen und mit ihrem Neil Young-Hut ist sie vom Original kaum zu unterscheiden. Gabriela Maria Schmeide kommt wie die meisten anderen im Hillibilly-Look daher und pr\u00e4sentiert sich in einem der Songs, bei dem sie den Gesang \u00fcbernimmt, mit bislang ungekannter Rockr\u00f6hre. Sie hat Spa\u00df. Maja Sch\u00f6ne, zierlich im blauen Anzug und manchmal hinkend, wie Neil Young auch, und Caroline Seifert, nachdenklich in roter Windjacke, sind die anderen beiden Frauen als &#8222;Neil Young&#8220;. Als \u201eechte M\u00e4nner\u201c stehen Thomas Niehaus, Felix Knoop und Merlin Sandmeyer auf der B\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen den Musikeinlagen, von denen es reichlich gibt und die die lange Musikkarriere von Neil Young exemplarisch beleuchten, mit dengro\u00dfen Hits \u201eHeart of Gold\u201c, \u201eOld Man\u201c oder \u201eMy, My, Hey Hey\u201c und einigen mehr, werden Texte aus dem Buch von Narvid Kermani vorgetragen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit der musikalischen Erg\u00e4nzung kommt man Neil Young auf der B\u00fchne sehr viel n\u00e4her als, das mit einem Text allein m\u00f6glich w\u00e4re. In diesem Sinne funktioniert das St\u00fcck auf der B\u00fchne sehr gut. Die intensiven Musikst\u00fccke und die zwischengesprochenen Texte bieten aber einen vielleicht zu gro\u00dfen Kontrast. Die Zwischentexte gehen hier ins Leere. Sie sind eine Anh\u00e4ufung von Monologen, die auf einer B\u00fchne keinen rechten Sinn ergeben. Die Darsteller sind zwar st\u00e4ndig in Bewegung, kreisen um die Drehb\u00fchne, klettern auf die B\u00e4ume, machen ein Feuer, aber letztlich besteht die einzige Handlung darin, dass sich die Darsteller immer wieder einmal um den Kinderwagen des Neugeborenen mit den Dreimonatskoliken versammelt und dann anf\u00e4ngt zu musizieren. Sei\u2019s drum- Neil Youngs Musik rei\u00dft es wieder heraus und am Ende wurden die sieben Neil Youngs vom Publikum im Thalia Theater f\u00fcr ihre tolle Leistung ausgiebig gefeiert.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ein Hommage an den kanadischen Musiker Neil Young von Navid Kermani. Neil Young wurde 1945 in Toronto geboren. 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