Nouvelle Vague

Ich kann mich nicht mehr recht erinnern, wann und wie ich auf die französische Gruppe „Nouvelle Vague“ aufmerksam geworden bin, vermutlich so vor zehn Jahren, also 2007 vielleicht. Zu dieser Zeit hatte „Nouvelle Vague“ bereits zwei Alben heraus gegeben. Die Bezeichnung „Nouvelle Vague“, Neue Welle auf deutsch, kennen Cineasten als Oberbegriff der Arbeiten einiger französischer Filmregisseure, die in den 1960er Jahren ihre Filmgeschichten auf freche, andere Weise erzählte – Godard, Chabrol, Truffaut, und einige mehr. Hier ist etwas anderes gemeint. „Nouvelle Vague“ ist die französische Version der englischen Musikrichtung „New Wave“.

In den späteren 1970er Jahren brachte Malcolm McLaren aus den USA den „Punk“ nach Europa. Die „Punks“, solche wie die Sex Pistols, waren rauh und dreckig. Die elegantere Version war die darauf folgende „New Wave“-Richtung. New Wave war die Musik der 1980er Jahre und Ausdruck der letzten musikalischen Jugendrevolution, bevor die Unterhaltungsmusik völlig kommerziell wurde. Großartige Bands entstanden, solche wie The Cure, Joy Division, Siouxie and the Banshees, Depeche Mode, Echo and the Bunnymen, Blondie, Devo, Public Image, the B52’s – es gibt so viele. Damals waren ihre „Platten“ (gemeint sind diese schwarzen Vinyl-LP’s) gar nicht immer so einfach zu beschaffen. Heute sind das alles Klassiker. New Wave war echt cool.

Mit ihrem Projekt „Nouvelle Vague“ ließen die französischen Musiker Marc Collin und Olivier Libaux den New Wave  wieder auferstehen. Aber: Egal, ob Franzosen Punk oder Rock spielen, es klingt ja immer wie Chanson. „Nouvelle Vague“ betonten dieses Phänomen auf ausgesprochen witzige Weise, indem sie tatsächlich die Hits der New Wave-Ära im Stile vom Bossa-Nova spielten. Eine tolle Idee. Einige der New-Wave-Hits klangen so noch besser als das Original – indem sie langsam und melodisch vorgetragen wurde.  Jeder Effekthascherei entkleidet kamen plötzlich fantastische Melodien zum Vorschein.

2009 hatte ich dann das Glück, ein „Nouvelle Vague“-Konzert in Hamburg sehen zu dürfen, in der Kulturfabrik „Kampnagel“. Zwei Jahre später waren „Nouvelle Vague“ erneut in Hamburg zu Gast, diesmal in der „Großen Freiheit“, ein historischer Konzertort, nur ein paar Meter von dem Club entfernt, wo einst die Beatles ihre Konzerte gaben, bevor sie bekannt wurden.

Bei beiden Konzerten passierten mir ausgesprochen dumme Fehler. Beim Kampnagel-Konzert 2009 war ich einer der Ersten, die in die Halle gelassen wurden. Für den ersten Moment standen mir alle Möglichkeiten offen. Ich hätte mich vorne an die Bühne stellen können, das Konzert optisch und akustisch intensiv genießen können. Hinten in der Halle gab es Sitzplätze. Auch alle frei, am Anfang. „Lass‘ uns hier hinsetzen“, rief meine Begleitung. Ich folgte brav und dumm dem Vorschlag. Wir haben schön gesessen, es war ein unglaubliches Konzert, in dem Melanie Pain und Phoebe Kildeer die Zuschauer mit ihrem Gesang in ihren Bann schlugen, die Bühnenshow der Sängerinnen steht in ziemlichen Kontrast zur ruhigen Musik – aber wir waren wirklich ein gutes Stück weit weg.

OK, das war entschuldbare Unerfahrenheit. Beim Konzert 2011 kam dann echte Dummheit hinzu. Diesmal standen wir direkt am Bühnenrand. Inzwischen hatte ich mir einen kleinen Fotoapparat besorgt, um damit die besten Momente des Konzert im Bild festzuhalten. Konzertfotos sind keine einfache Sache. Es gibt viel Bewegung, wechselndes Gegenlicht und wenn man eine große Kamera in den Konzertsaal schleppt, muss man vielleicht dumme Fragen beantworten.

Als das Konzert begann, zog ich meine kleine Kamera aus der Hosentasche, um gleich festzustellen, dass der Akku leer war. Ich habe dann Fotos mit meinem Handy gemacht, von denen nur ein einziges als einigermaßen brauchbar übrig blieb.

Nadeah Miranda zog eine unglaublich Show ab, kletterte barfuß, mit ihren Netzstrümpfen und dünnem Kleid die Boxen hinauf zur Empore im 2. Stock und krabbelte auf dem Geländer entlang. Einzigartige Bilder, die ich alle nicht aufgenommen habe – Akku leer, wegen Dummheit. Immerhin, ein Bild nur ist geblieben – und viele optische Eindrücke auf meiner Netzhaut.

Es gibt ein wirklich cooles Video zur Novelle Vague-Interpretation des Songs „Dance with me“, im Original von den „Lords of the New Church“. Er verbindet das Stück mit einer Tanzszene aus Godards „Bande à part“ (1964, deutsch: Die Außenseiterbande), einem Film der filmischen „Nouvelle Vague“, und auch Titel der zweiten „Nouvelle Vague“-CD. Im Video-Portal Youtube gibt es mehrere Versionen. Die junge Frau in der Mitte ist die dänische Schauspielerin Anna Karina, einige Zeit Godards Muse und mit ihm verheiratet. Es tanzen außerdem Sami Frey und Claude Brasseur.

Let’s dance little stranger
Show me secret sins
Love can be like bondage
Seduce me once again

Burning like an angel
Who has heaven in reprieve
Burning like the voodoo man
With devils on his sleeve

Won’t you dance with me
In my world of fantasy
Won’t you dance with me
Ritual fertility

Like an apparition
You don’t seem real at all
Like a premonition
Of curses on my soul

The way I want to love you
Well it could be against the law
I’ve seen you in a thousand minds
You’ve made the angels fall

Won’t you dance with me
In my world of fantasy
Won’t you dance with me
Ritual fertility

Come on little stranger
There’s only one last dance
Soon the music’s over
Let’s give it one more chance

Won’t you dance with me
In my world of fantasy
Won’t you dance with me
Ritual fertility

Take a chance with me
In my world of fantasy
Won’t you dance with me
Ritual fertility

Hier noch der Vollständigkeit halber die Originalscene:

 

 

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