The Soap Girls (Pooca Bar)

Soapgirls in der Pooca Bar
Soapgirls in der Pooca Bar

Konzertliste…

Eigentlich heißen sie Camille und Noemie DeBray, sind in Frankreich geboren, aber in Südafrika, in Kapstadt aufgewachsen. Dort, so reklamieren sie, hätten sie für wohltätige Zwecke Seife verkauft, und so erkläre sich der Bandname „Soapgirls“. Möglicherweise stimmt die Geschichte sogar. 2011 erschien bei Universal Music ihr erstes Album im Electro Pop Stil. Von diesem Stil haben sie sich inzwischen aber völlig getrennt, den Vertrag mit dem Label gekündigt und zwei Alben selber produziert: „Calls for Rebellion“ mit 16 Stücken erschien 2016. „Society Rejects“ mit weiteren 15 Stücken folgte 2017. Die Stücke bewegen sich zwischen Punkt und Grunge, sind laut und kräftig. „Revolt Rock“ nennen die Soapgirls selber ihren Stil. Seit zwei Jahren befinden sich die jungen Damen mit ihrem Drummer und der Tour Managerin, niemand anderes als ihre Mutter Posh DeBray, nun offenbar auf einer Art Dauertournee, meist durch England, zuletzt durch Mitteleuropa, quer durch Deutschland bis nach Italien und wieder zurück. Ihre Tour dokumentieren sie selber sehr intensiv auf den üblichen Social Media Kanälen, Twitter (mit weit über 40.000 (!) Tweets und Re-Tweets), Facebook, Instagram und vermutlich noch einigen mehr. Sie nehmen kleine Filmschnipsel mit witzigen Statements auf und kokettieren mit ihrer Vorliebe für luftige Kleidung. Motto: „Clothes don’t play instruments“. Die exhibitionistische Attitüde wird auf überzeugende Weise als gesellschaftspolitisches Statement verkauft.
Relativ kurzfristig wurde auf der Tour noch ein Gig nach Hamburg gelegt. Als Auftrittsort hatte wer auch immer die Pooca Bar am Hamburger Berg ausgewählt – nicht gerade die erste Adresse für Bandauftritte. Am Samstagabend gilt die Pooca Bar unter jungen Kiezgängern zwar als Geheimtipp, man steht dann dort dicht auf dicht im Halbdunkel. Bei Licht betrachtet vermittelt die leere „Bar“ allerdings das Bild einer ziemlich herunter gekommenen kleine Kaschemme – was ja nicht heißt, dass man sich dort nicht gut die Zeit totschlagen kann. In einer Ecke gibt eine kleine Erhöhung, die als Bühne durchgehen kann. Als Einlasszeit war 20 Uhr vorgesehen, aber die Soapgirls, offenbar später eingetroffen, benötigten noch ein wenig Zeit, um den Soundcheck abzuschließen.

Ihr schon etwas ramponierter und zerbeulter Tourbus, eine Ford Transit Minibus, steht gleich vor der Tür der Bar. Der riesige Müllhaufen auf dem Amaturenbrett zeugt vom anstrengenden Musikerleben auf Tour. Vor dem Auftritt erledigt Noemie DeBray noch auf der Bühne sitzend ihre Maske, während Camille versucht, ein paar Merchandise-Artikel aus einem großen Metallkoffer zu verkaufen. Das gelingt auch deshalb nicht, weil sich nur sehr wenige Zuschauer in die Kneipe verlaufen haben, vielleicht zwanzig an der Zahl. Einige sehen aus, als würden von Geburt an zu den Stammgästen der Bar gehören und seien nur deshalb anwesend, weil sie es immer sind. Die Gebühr für den Eintritt ist übersichtlich, 12 Euro im Vorverkauf, 14 Euro an der Abendkasse. Wenn die Band nicht zu viel von den Einnahmen an den Barbesitzer abtreten musste, hatte sie an diesem Abend also vielleicht 300 Euro eingenommen.

Die Soapgirls sind laut

Für den Auftritt war die Gruppe aus Arnstadt (Harz) und Berlin angereist. Zwei Tage später wollten sie in Brandenburg spielen und dann mit Gigs in Cottbus, Lübbenau, und Trübbach Richtung Bodensee weiterreisen. Ende Oktober sollte es über die Niederlande zurück nach England gehen. Auf dem Tourplan der Soapgirls-Webseite sind von Ende April bis November 2018 über 100 Auftrittsorte eingetragen. Unglaublich! Hoffentlich sind an den anderen Orten mehr Zuschauer als in der Pooca Bar in Hamburg. Verdient haben sie es.

The Soapgirls
Spaß an der Musik: The Soapgirls

Weder vom etwas merkwürdigen Auftrittsort, noch von der etwas enttäuschenden Zuschauerzahl ließen die Soapgirls sich die gute Laune verderben. Um 21 Uhr ging es los und mit den ersten Akkorden war den Zuschauern klar, dass dieser Abend sehr laut werden würde. Die beiden jungen Damen sind auf eine schnoddrige Art sehr witzig, machen lustige Ansagen zwischen den Stücken und erzählen Schoten aus ihrem offenbar bewegten Leben. Dann folgt eines ihrer zumeist kräftigen und wuchtigen Stücke. Noemie ist der „politische“ Kopf der kleinen Band und übt sich während sie ihren Bass zupft, mit akrobatischen Übungen. Camille spielt die Leadgitarre, gibt lustige Stichworte und hat großen Spaß an der Musik, an ihrem Gitarrenspiel und an den Reaktionen im Publikum. Besonders Noemie ist ein echte Rampensau und übt sich in eigentlich ja männlichen Macho-Rockerposen, am liebsten dort, wo ein Blitzlicht aufscheint. Im Hintergrund arbeitet sich der Drummer an seinem Rhythmusinstrument ab, hat mit der Show aber sonst nichts zu tun.

Nach etwa 90 Minuten intensiven Musikvortrages werden die letzten Stücke angekündigt. Zwei Freiwillige müssen zwischendurch auf der Bühne mitsingen, in diesem Fall Hartmut und Horst. Zum Schluss brüllen sie „ I am a Bitch“ ins Mikrofon, was in ihrem Fall nicht ganz der Wahrheit entspricht. Das Konzert geht aber noch weiter. Nach dem letzten Stück folgt das allerletzte und noch ein allerletztes. Am liebsten würden sie gar nicht aufhören, Das kleine, aber aufmerksame Publikum goutiert dies mit freundlichem Applaus und Jubel nach jedem Stück. Irgendwann ist dann aber doch Schluss. Die Damen bedanken sich und packen ihre Sachen ein. Es geht wohl am gleichen Abend noch weiter nach Brandenburg. Die Soapgirls sind echte Punks.

The Soapgirls Homepage

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